Kein Neid, kein Unverständnis … nur blankes Entsetzen

Servus,
 
an diesem frühen Morgen flattern diverse Postings aus dem WorldWideWeb in den virtuellen Briefkasten und damit beschäftigt man sich am frühen Morgen einfach mal.
Nach dem ich heute aufgestanden bin und genussvoll in meinen Apfel beisse, lese ich so nebenbei was es Neues in der Welt gibt. Natürlich interessieren mich hier die Punkte Alpen, Fotografie und Natur in erster Linie.
Beim Thema Fotografie bin ich, was die momentane Entwicklung betrifft, echt entsetzt. Nicht panisch oder aus Neid.
Nein, einfach so. Ich kann es zwar nachvollziehen, was die Gedanken sind, die dahinter stecken, doch wirklich nachvollziehbar ist es nicht.
Heute stöbere ich also so in Facebook und entdecke einen Posting eines Hobbyknipsers, der erst vor ein paar Wochen sein allererstes wirklich schlechtes Foto gepostet hat. Die Meinung der erfahreneren Knipser wurden eher als Beleidigung aufgefasst, statt die Kritik anzunehmen. Heute lese ich, dass er seine Kamera verkauft und nun eine Vollformatkamera hat.
Ich denke mir nur noch „What?“.
Zeitgleich fällt mir ein, hoppla, kürzlich hatte ich doch einen Artikel verfasst, in dem es darum geht, dass je weniger Likes man hat, das Foto wohl umso besser sein muss.
STOPP!
Jetzt mal ganz von Vorne und ich erkläre es ruhig noch einmal. Also langsam lesen, damit man auch mitkommt. 
Selbst wenn man Jahre lang schon am Fotografieren ist, dann wird man niemals die Möglichkeiten einer Kamera ausschöpfen können. Das Potential einer Vollformatkamera mit Ihrem Detailreichtum macht für einen Hobbyfotografen kaum Sinn. Vor allem wenn man seine Bilder auf der Festplatte vergammeln lässt oder kleine Bildchen irgendwo hochläd. 800×600 pixel Fotos made by 36 MegaPixel Kamera lohnt sich natürlich.
Zugegeben eine Kamera wie die Sony A7s, die jede noch so dunkle Ecke erstrahlen lässt, hat etwas, gerade wenn es im die Fotografie bei Nacht geht. Doch das wird auf die wenigsten zutreffen. Und eine Kamera die alleine schon knapp 2000 Euro kostet, nur damit man sich die Taschenlampe sparen kann, rechnet sich nicht für einen Hobbyisten. Habe vergessen, dass die A7s ja nur 12 MegaPixel hat. Ist also doof mit den 800×600 Pixel, weil im Vergleich zu einem 36 MegaPixel Sensor, fehlen einem 24 MegaPixel, die ja das Foto besser machen.
Rechnen wir doch mal 800×600 eine Standardgröße im Internet, damit eine Webseite nicht überladen ist und auch noch schnell läd.
800×600 = 480.000 Pixel. Huiii also nur circa 0,5 MegaPixel.
Gehen wir noch ein wenig Höher in der Auflösung. Ein gerade noch vertretbares Format wäre 1280×960 Pixel.
Der kleine Mathematiker in uns erkennt sofort das sind 1.228.800 Pixel also 1,23 Megapixel. Rund wir es auf ein glattes MegaPixel, dass wir in der Weltgeschichte herumschicken oder irgendwo auf einem Speichermedium versauern lassen.
Dieses eine MegaPixel präsentiert also unser ganzes Fotografisches sein. Da ist es natürlich verständlich, dass man so etwas durchaus mit einer Kamera aufzeichnen muss, die MINDESTENS, das 20-fache leisten kann. Selbst heutige Smartphones spielen hier voll mit.
Um das klarzustellen, die ganzen MegaPixel bringen einem nichts. Wenn ich mit einem Sportwagen durch die dreissiger Zone zuckel, dann bringen mit die 800 PS auch nichts. Gut die Leute schauen, drehen sich um, denken was ein geiler Hecht.
Aha, ist das also der Grund warum man sich etwas kaufen muss?
Ist es nicht eher zweckmässig, dass man sich etwas kauft, weil man es für eine bestimmte Aufgabenstellung benötigt?
Wer jetzt rumjammert, dass es halt nur noch hochauflösende Kameras gibt. Hat hier etwas immer noch nicht verstanden. Ich rede es nicht schlecht. Es macht nur wenig Sinn zu denken, dass etwas besser wird, nur weil man etwas technisch modernes kauft. Bezogen auf die 30er Zone kann ich da auch mit 20000 PS durchdröhnen, es bleibt aber immer eine 30er Zone. An der Tatsache ändert sich nun mal nichts.
Viele kaufen sich eine Vollformatkamera, oder generell eine große Kamera, weil die ja bessere Bilder macht. 
Die Fotos, die jedoch richtig Geld bringen, sind meistens die, die mehr oder weniger mit viel Glück und in den meisten Fällen aufnahmetechnisch auf einem niedrigen Niveau sind.
Ihr glaubt doch nicht ernsthaft, dass ein Skandalfoto, weniger skandalös ist, nur weil der Skandal nicht im Goldenen Schnitt sitzt, der Fokus genau auf ihm liegt oder der Weissabgleich stimmt. Und keine Redaktion dieses Skandalsüchtigen Planeten, wird ein Foto ablehnen, nur weil es nicht mit der neusten der neusten Kameras erstellt wurde. Auf welchem Planeten lebt Ihr denn?
Ich sage damit jetzt nicht, dass jedes Schnappschussfoto, nun geeignet ist sich als Fotograf zu bezeichnen. Und das Thema Schnappschuss sollte man durchaus auch neu definieren. Dazu jedoch in einem weiteren Artikel mehr.
Zurück zum Thema. Wie kommt man auf die Idee nach ein paar Wochen schlechter Fotos, die, nur weil andere das hoch loben, weil ehrliche Worte ja verdrängt werden, dass man sich eine Vollformatkamera kaufen sollte.
Wie gesagt ich glaube nicht, dass man an die technischen Grenzen einer Kamera stoßen kann, wenn man nicht irgendeine spezielle Sache machen möchte.
Es ist mit Sicherheit auch wichtig den Unterschied zwischen einer Vollformat- und APS-C-Kamera zu kennen.
Der Unterschied ist, dass ein Vollformatsensor doppelt so groß ist, wie ein APS-C-Sensor. Das sagt jedoch höchstens etwas darüber aus, dass das aufgezeichnete Bild in einer technisch besseren Qualität vorliegt. Das Foto als Bild betrachtet, muss deswegen nicht besser sein. Löst man bei einer Vollformatkamera oder mit einer APS-C-Kamera mit aufgesetztem Objektivdeckel den Fotografieprozess aus, kommt bei beiden ein schwarzes Bild zum Vorschein. Das ist in beiden Fällen genau das gleiche schwarz, da entstehen keine Kunstwerke.
Fotografiere man mit beiden Kameras an einem 90 mm Objektiv, dann habe ich bei Vollformat noch Randinformationen, die ich bei APS-C nicht habe. Die Brennweite ändert sich nicht, es ist exakt der gleiche Wert. Die Randinformationen kommen praktisch nur hinzu.
Ein Beispiel, mit einer APS-C-Kamera habe ich einen Zoom-In Effekt. Weil es ein Ausschnitt aus einem Vollformat ist. Es entsteht der Eindruck als wäre man näher am Motiv.
Wenn ich das gleiche Foto am gleichen Objektiv, statt mit einer APS-C-Kamera mit einer Vollformat erstelle, habe ich einen Zoom-Out Effekt. Es entsteht der Eindruck man wäre weiter entfernt vom Motiv.
Das ist jedoch alles ein Trugschluss. Das Foto ist exakt das gleiche. Es ist auch möglich das APS-C-Foto durch Skalierung anzupassen und es genau, ohne irgendwelche Fehler, in das Vollformat-Bild einzufügen.
Es stellt sich nun also die Frage was brauche ich?
Sind mir diese zusätzlichen Bildinformationen wichtig, oder kann ich auch ohne leben? Bzw. worauf lege ich Wert?
In den meisten Fällen wird es so sein, dass man ohne leben kann, weil es auf die verwendete Brennweite ankommt, wie viele Informationen ich auf den Sensor bringe. Natürlich ist auch der Abstand zum Motiv entscheidend.
 
Nichts desto trotz würde ich behaupten, dass der Nutzen einer Vollformatkamera im Hobbybereich, auch aus Kostensicht, nicht sonderlich viel Sinn macht. Ich will es jedoch keinem Ausreden. Doch bedenkt.
Ein Hobby soll Spaß machen, es wird niemals Geld einbringen.
Ein Hobby das Geld erwirtschaftet ist kein Hobby, es ist Arbeit.
Arbeit ist ein Zwang, weil man etwas leisten muss, um etwas zu erhalten.
Leistung, also ein Zwang, macht keinen Spaß, weil es anstrengend ist.
Anstrengung fordert uns und lässt uns die Prozesse überdenken.
Überdachte Prozesse laufen besser und bringen Erfolg.
Erfolg ist schön und macht uns Freude.
Freude ist gleich Spaß und dann sind wir bei der Berufung.
Eine Berufung ist aber kein Hobby!
Darüber solltet Ihr einfach nachdenken. Oh und bevor ich es vergesse. Es gibt sehr viele Profis, die bewusst mit APS-C-Kameras arbeiten. Wer sich eine Vollformat kauft, nur weil er der Werbung glaubt, macht deswegen noch lange keine besseren Fotos.
Gruß
Bernd

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