Weihnachten auf Ilhabela fühlt sich an wie ein Traum, den man kaum greifen kann: vertraut und fremd zugleich. Während zu Hause in Deutschland der Duft von Tannennadeln und Glühwein in der Luft liegt, riecht der Dezember hier nach Meer, Mango und warmer Erde. Die Sonne brennt, das Meer glitzert – und doch: Es ist Weihnachten. Nur eben auf brasilianisch.
Palmen statt Tannenbäume
Die Insel ist geschmückt – nicht mit Schneeflocken, sondern mit Lichterketten, die sich wie Glühwürmchen durch die tropische Nacht winden. Vor den kleinen Läden in Vila stehen Weihnachtsbäume aus Muscheln, Treibholz und goldfarbenen Schleifen. Kinder tragen Santa-Mützen über ihren Badeanzügen, und am Straßenrand verkaufen Frauen bunte Sterne aus Papier, die im Wind tanzen.
Abends, wenn die Hitze langsam nachlässt, erwacht Ilhabela zum Leben. Musik erklingt – Samba, Forró, manchmal sogar ein leises “Noite Feliz“ (Stille Nacht), gesungen mit weicher Stimme und tropischem Akzent. Das Licht der Kerzen spiegelt sich in den Gesichtern der Menschen, die lachen, tanzen, essen – und feiern, dass sie zusammen sind.
Ein Fest der Farben und Düfte
Das Weihnachtsessen hier ist ein kleines Fest für die Sinne. Statt Braten und Rotkohl gibt es gegrillten Fisch, frische Früchte, Reis mit Rosinen, farofa und dazu ein Glas gekühlter Weißwein oder caipirinha. Alles duftet nach Limetten, Knoblauch, Salz und ein wenig nach Meer.
Ich sitze an einem langen Holztisch mit Einheimischen, Reisenden, Kindern, Hunden, Musik und Geschichten. Niemand ist in Eile. Weihnachten fühlt sich hier nicht an wie ein Termin – sondern wie ein Zustand. Eine Einladung, loszulassen, zu lächeln und einfach im Moment zu sein.
Ein anderer Zauber
Später gehe ich zum Strand. Der Himmel ist klar, übersät mit Sternen, und irgendwo tanzt ein kleines Feuerwerk über dem Meer. Das Licht spiegelt sich auf den Wellen, und ich denke daran, wie unterschiedlich „Weihnachten“ klingen kann – Schneeglocken dort, Meeresrauschen hier.
Ich stelle mein Stativ auf, richte die Kamera auf den Horizont und mache eine Langzeitaufnahme. Die Lichter der Boote ziehen weiche Linien über das Wasser, wie Pinselstriche auf dunkler Leinwand. In diesem Moment wird mir klar: Weihnachten hat nichts mit Ort oder Wetter zu tun. Es ist Licht – egal, wo man steht.
Ein stiller Gedanke
In der Ferne höre ich Gelächter, Musik, das Klirren von Gläsern. Und doch liegt eine Stille in der Luft, eine leise Dankbarkeit.
Vielleicht ist das das wahre Geschenk dieses tropischen Weihnachtsfests: die Erinnerung daran, dass Freude überall wachsen kann – auch unter Palmen, bei 30 Grad, mit Sand zwischen den Zehen.
Nächstes Kapitel:
Der letzte Sonnenaufgang des Jahres – Gedanken zwischen Himmel, Meer und Licht

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