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Happy New Year – 25 Tage später und das erste Mal Asien

BVO

Skymountain | Lebe jetzt, nicht später

Kurz vor Heiligabend 2025 sitzen wir in Frankfurt im Flieger von Vietnam Airlines. Vor uns liegen 11 Stunden und 30 Minuten in Richtung Hanoi. Der Flug ist ausgebucht. Man merkt sofort: Hier sitzen Menschen mit ganz unterschiedlichen Geschichten, aber mit einer gemeinsamen Richtung. Einige starten in den Urlaub, andere kehren nach Hause zurück, wieder andere nutzen Hanoi nur als Zwischenstopp auf dem Weg nach Laos, Kambodscha oder weiter in den Süden Vietnams.

Für uns ist es mehr als nur ein Flug.
Es ist das erste Mal Asien. Und es ist der Jahreswechsel.
Happy New Year – irgendwo über Europa, dem Nahen Osten und schließlich Südostasien.


Unser erstes richtiges Ziel nach der Ankunft ist Cat Ba. Eine Insel am Rand der Halong-Bucht, die sich bewusst nicht in den Vordergrund drängt. Cat Ba ist grüner, ruhiger und weniger inszeniert als viele der bekannten Bilder aus der Region. Dschungel beginnt hier gefühlt direkt hinter den Häusern, Kalksteinfelsen wachsen aus dem Meer, Fischerboote liegen neben Ausflugsbooten, und der Nationalpark ist allgegenwärtig.

Cat Ba wirkt nicht wie ein Ort, der beeindrucken will.
Er tut es einfach – leise, langsam und genau deshalb sehr nachhaltig.

Hier verbringen wir die ersten Tage. Und genau hier beginnt die Frage, die Skymountain immer begleitet:
Was braucht man wirklich, um eine Reise festzuhalten?


Skymountain ist ein Technik-Reiseblog. Aber Technik interessiert mich nicht als Selbstzweck. Sie wird erst dann spannend, wenn sie das Erleben unterstützt – oder es unbemerkt schwerer macht.

Schon vor der Reise war mir klar, dass weniger Ausrüstung mehr Freiheit bedeutet. Diese Erfahrung hatten wir bereits auf Reisen durch Mittelamerika und Brasilien gemacht. Nicht, weil wir dort besonders viel Technik dabeihatten, sondern weil jedes einzelne Kilo irgendwann spürbar wird. Nicht sofort. Aber mit jedem weiteren Kilometer.

Und Kilometer gab es viele. Nahezu täglich standen zwischen 25.000 und 35.000 Schritte auf dem Zähler. Dazu kommt etwas, das man vorher kaum bedenkt: Vietnam besteht aus Treppen. Treppen zu Höhlen, zu Pagoden, zu Tempeln. Treppen, die sich summieren. Und jedes Kilo summiert mit.


Ich habe mich deshalb bewusst für eine leichte Ausrüstung entschieden.
Zum Einsatz kommt das Nikon Z 50-Kit mit dem 16–50 VR und dem 50–250 VR. Zwei Objektive, die fast alles abdecken, was mir unterwegs begegnet, und das bei einem Gewicht, das man noch verantworten kann.

Mit Ersatzakkus, Ladegerät, Kabeln und Tasche lande ich bei rund eineinhalb Kilogramm. Dazu kommen eine Powerbank und meine DJI Osmo Action 4 mit Ersatzakkus. Rechnet man das Smartphone dazu, liege ich insgesamt bei etwa zweieinhalb bis drei Kilogramm Technik.

Das klingt wenig.
Und ist es trotzdem nicht, wenn man es jeden Tag bei sich trägt.

Denn Technik ist nur ein Teil des Rucksacks. Wasser und Proviant kommen immer dazu. Eine 1,5-Liter-Flasche Wasser ist Minimum. Damit liegt das Tagesgewicht schnell bei fünf bis sieben Kilogramm. Nicht dramatisch – aber weit entfernt von schwerelos.

Und irgendwann stellt sich automatisch die Frage:
War das alles wirklich notwendig?


Viele Reiseblogs schreiben, dass ein Smartphone völlig ausreicht. Auch jede KI-Recherche bestätigt das zunächst. Und ja, für vieles stimmt das. Aber sobald es um Details geht, um Tiere, um Szenen mit Distanz oder um Motive, die nicht direkt vor einem stattfinden, stößt das Smartphone an Grenzen.

Natürlich ließe sich argumentieren, dass man für Tiere eigentlich ein deutlich längeres Tele braucht als ein 50–250 mm. Und wenn man ausschließlich auf Fotosafari ist, würde ich dem zustimmen. Ich hatte in Mittelamerika ein 200–500 mm-Objektiv dabei. Dieses eine Objektiv wog mehr als mein komplettes Z-50-Setup. Fast ein Kilo mehr – ohne Kamera, ohne Akkus.

Das Ergebnis waren fast sechs Kilogramm Technik auf dem Rücken, noch bevor Wasser oder Proviant dazukamen. Und das ist der Punkt, an dem Fotografieren anstrengend wird.


Rückblickend wäre nur das Smartphone angenehmer gewesen. Leichter. Unauffälliger.
Aber viele Bilder wären nicht so entstanden, wie ich sie mir gewünscht habe.

Smartphones werden immer besser, und auf manchen Reisen reichen sie völlig aus. Auf Kreta hatte ich das komplette Kamera-Setup dabei – und habe trotzdem fast nur mit dem Smartphone fotografiert. Auch nicht besonders konsequent, aber so ist es manchmal.

Der größte Vorteil des Smartphones bleibt seine Unauffälligkeit.
Ein Smartphone ist alltäglich.
Ein Objektiv erzeugt Aufmerksamkeit.

Und dieser Unterschied verändert Situationen – und damit auch Bilder.


Was mich in Vietnam allerdings wirklich überrascht hat, war ein ganz anderes Thema: Akkus.

Nicht, weil es keine Steckdosen gab. Steckdosen waren grundsätzlich vorhanden. Aber oft gab es pro Raum nur sehr wenige Anschlüsse, teilweise nur eine Steckdose pro Person. Das führt abends zu ganz banalen Entscheidungen: Was lädt zuerst? Kamera, Smartphone oder Powerbank?

Ich nutze vier Akkus für die Kamera, doch auch die kommen an ihre Grenzen, wenn tagsüber viel fotografiert wird und abends nicht alles gleichzeitig geladen werden kann. Das Smartphone hing fast dauerhaft an der Powerbank. Zusätzlich lief es als Hotspot für das Smartphone meiner Frau. Klar, das zieht Strom. Aber selbst ohne Hotspot war der Verbrauch deutlich höher als zu Hause. Google Maps läuft hier praktisch ständig – Orientierung ist kein Komfort, sondern notwendig.

Fast jeder Tag endete mit leeren Akkus.

Eine Erfahrung, die ich so vorher nicht erwartet hatte.


In den nächsten Tagen, Wochen und Monaten werde ich von dieser und weiteren Reisen berichten. Nicht nur von Orten, sondern von Gedanken. Von Beobachtungen. Von kleinen Erkenntnissen, die sich erst unterwegs einstellen.

Ich möchte euch Schritt für Schritt in die Welt und Philosophie von Skymountain mitnehmen.

Lebe jetzt, nicht später.

Auf diesen Reisen wird mir das immer klarer. Wie eine Ameise oder eine Biene durch die Welt zu laufen, ohne sie wirklich wahrzunehmen, kann nicht der Sinn sein.

Mehr lächeln.
Mehr lachen.
Mehr Ruhe.

Mehr Buddha, weniger Butter.
Keine perfekte Formel – aber ein Gefühl, das wächst.

Die Erkenntnisse kommen nicht auf einmal.
Sie kommen. Still.
Mit jedem Tag ein bisschen mehr.

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