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Und plötzlich war es weg …Der Moment, der mir zeigte, wie abhängig wir von diesem kleinen Gadget sind

PXL 20251227

Ein Tag nach Weihnachten 2025. Wir waren erst seit ein paar Tagen auf Cat Ba in Vietnam, hatten uns gerade eingelebt, den Rhythmus der Insel angenommen und fühlten uns langsam nicht mehr wie Neuankömmlinge, sondern wie Menschen, die wissen, wo es guten Kaffee gibt – ein nicht zu unterschätzender Meilenstein auf Reisen.

Für diesen Tag stand der Nationalpark von Cat Ba auf dem Plan. Taxi organisiert, Uhrzeit abgestimmt, Route grob besprochen – natürlich alles über das Smartphone. Kontakt zur Gastgeberin, Navigation, Übersetzung, Zeitplanung: das kleine Rechteck aus Glas und Silizium war wie immer der heimliche Reiseleiter.

Seit gut zwei Jahren begleitet mich dabei mein Google Pixel 7a. Gute Kamera, fairer Preis, zuverlässig – eine dieser Entscheidungen, die man nie bereut. Für Vietnam hatte ich mir zusätzlich eine eSIM über Saily besorgt. Funktionierte tadellos.
Kleiner, aber wichtiger Tipp am Rande: eSIM vor dem Abflug aktivieren. Dann landet man, schaltet das Handy ein – und zack, Empfang. Ich war dieses Mal weniger clever, durfte erst einmal ein WLAN suchen. In Brasilien hatte ich es besser gemacht. Man lernt ja dazu. Meistens.

Das Smartphone war auf der gesamten Reise unser mobiler WLAN-Hotspot. Also Powerbank vollgeladen im Rucksack, langes USB-Kabel dran, Dauerbetrieb. Damit ich nicht alles mit dem Handy fotografieren musste, hatte ich meine Nikon Z50 dabei und war fleißig am Fotografieren. Dschungel verlangt schließlich nach richtigen Kameras – zumindest, bis es dunkel wird.

Los ging die Tour direkt am Haupteingang des Nationalparks. Der Weg führte durch dichten Dschungel Richtung Cát Hải. Und ja: genau so, wie man sich Dschungel vorstellt. Schmale Pfade, üppige Vegetation, überall Leben. Grün in allen erdenklichen Varianten.

Als Gartenbauer bin ich bei sowas sofort im Glücksmodus. Diese dichte, ungezügelte Natur hat etwas Beruhigendes und gleichzeitig Respektgebietendes. Die Kamera war ständig im Einsatz – was irgendwann dazu führte, dass der erste Akku langsam aufgab.

Mein Smartphone trage ich normalerweise in der vorderen Hosentasche. Ersatzakkus sind im Rucksack. Also Rucksack nach vorne drehen, kurz noch ein paar Fotos machen – diesmal schnell mit dem Smartphone. Zu dunkel für die große Kamera, zu ungeduldig für Experimente. In solchen Momenten ist das Smartphone einfach unschlagbar.

Das Pixel wanderte zurück in die Hosentasche. Dachte ich.

Ich schlängelte mich weiter durch den Dschungel, drehte den Rucksack nach vorne, tauschte den Akku. Währenddessen lud das Smartphone fröhlich an der Powerbank.
Dachte ich.

Als ich den Rucksack wieder zurechtrückte und weiterlief, griff ich reflexartig in die Hosentasche – und spürte: Da fehlt etwas.

Ich habe schon Dinge verlegt. Oft sogar. Aber verloren? Eigentlich nie. Und wenn doch, dann immer wiedergefunden. Dieses Mal nicht.
Das Smartphone war weg.

Und damit plötzlich: Navigation, Kommunikation, Übersetzer, Tickets, Banking, Kontakte, Fotos, Erinnerungen. Das Tor zur Welt – irgendwo im Dschungel von Cat Ba. Auf schmalen Pfaden, zwischen Wurzeln, Blättern und Steinen.

Meine Frau war bereits ein Stück vorausgelaufen und hatte gar nicht bemerkt, dass ich stehen geblieben war. Anrufen? Schwierig ohne Handy. Empfang? Im Dschungel eher ein theoretisches Konzept. Übersetzer? Ebenfalls weg. Was jetzt?

Während ich dastand, lief im Kopf ein erstaunlich realistischer Katastrophenfilm ab. Wie komme ich an meine Daten? Wie entsperrt man ein neues Gerät, wenn alles über Fingerabdruck läuft? Welche Passwörter kenne ich wirklich noch – und welche nur mein Daumen? Und Banking-Apps … darüber wollen wir gar nicht erst reden.

Natürlich kann man auch ohne Smartphone reisen. Menschen haben das jahrzehntelang geschafft. Aber mit Smartphone ist eben alles einfacher. Und genau das wurde mir in diesem Moment schmerzhaft bewusst.

Ich überlegte: Was war das letzte Motiv? Also ging ich den Weg zurück. Sprach jeden an, dem ich begegnete. Nach über einem Kilometer: nichts. Niemand hatte ein Smartphone gesehen. Langsam machte sich Ernüchterung breit.

Immerhin: Ich hatte mich damals bewusst für ein weißes Gehäuse entschieden. Weiß fällt auf. Zumindest mehr als Schwarz im Dschungel.

Irgendwann wurde mir klar, dass meine Frau sich vermutlich auch Sorgen machte. Und ganz ehrlich: Ein Smartphone im Dschungel verlieren ist unangenehm. Seine Frau verlieren wäre deutlich schlimmer. Zum Glück war der Weg übersichtlich, Verlaufen nahezu ausgeschlossen.

Nach knapp zwei Kilometern traf ich sie wieder. Sie hatte das Handy nicht gesehen, war aber überraschend entspannt. Wir liefen ein Stück gemeinsam zurück, entschieden dann, den geplanten Zwischenstopp noch mitzunehmen und danach endgültig umzudrehen.

Zwischendurch kam mir eine geniale Idee: Smartwatch! Vielleicht reagiert sie auf das Bluetooth-Signal. Tat sie nicht. Gute Idee, schlechte Umsetzung.

Auf dem Rückweg sprachen wir erneut jeden an. Nichts. Als wir innerlich schon aufgegeben hatten, kam uns eine kleine Gruppe vietnamesischer Touristen entgegen. Auch sie: kein Smartphone gesehen.

Wir gingen weiter. Etwas traurig. Etwas still.

Keine zehn Sekunden später hörten wir hinter uns Rufe. Die Gruppe fragte:
„White smartphone?“

Und ja. Genau das.

Sie hatten es gefunden. Unbeschädigt. Einfach da liegend.
Ich kann kaum beschreiben, was für eine Erleichterung das war.

Mit neuem Schwung setzten wir die Tour fort. Doch der Gedanke ließ mich nicht los. Nicht aus Angst um Daten oder Sicherheit – sondern wegen der Erkenntnis, wie abhängig wir geworden sind.

Ja, Smartphones sind fantastische Werkzeuge. Aber sie sind nicht die Welt. Der Dschungel, die Menschen, die Gespräche, das Lachen, das Verirren, das Finden – all das passiert offline. Und oft verpassen wir genau diese Momente, weil wir auf einen Bildschirm schauen.

Diese Reise durch Vietnam hat mir einmal mehr gezeigt, wie wertvoll echter Austausch ist. Gespräche ohne Übersetzungs-App, Begegnungen ohne Filter, Momente ohne Story-Button.
Die digitale Welt ist laut, perfekt inszeniert und immer verfügbar. Die echte Welt dagegen ist spannender, unvorhersehbarer, herzlicher – und genau deshalb so viel wertvoller. Weil das Lächeln echt und kein Fake ist.

Und manchmal braucht es eben ein verlorenes Smartphone im Dschungel, um das wieder zu verstehen.

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