Planung vs. Enttäuschung vs. Gedanken

Servus liebe Freundinnen und Freunde,
mit Sicherheit kennt Ihr folgende Situation.
Ihr zieht los, habt eine Menge Ideen im Kopf und kommt an der entsprechenden Lokalität an und stellt fest, dass es gar nicht so ist wie Ihr es Euch gedacht habt. Die Motive sind nicht da, das Wetter passt nicht so richtig, die Stimmung kippt und irgendwie passt überhaupt nichts.
Während man also nun mehr oder minder enttäuscht bzw. betrübt herumläuft übersieht man jedoch sehr viele Dinge. Durch diesen gedanklichen Knick ist der Kopf mit so vielen Dingen beschäftigt, dass selbst etwas großes und faszinierendes übersehen werden kann. Es ist also sehr ungünstig sich nur von seinen Gedanken leiten zu lassen. Viel mehr sollte man sich in einen Zustand versetzen, der sich über den Gedanken befindet, so dass man frei auf die positiven Dinge reagieren kann.
Nehmen wir einmal an, man ist nun mehrere Stunden angereist und jetzt ist alles schlecht und die Laune mies. Das bringt einen ja nicht weiter. Das Gleiche kann einem auch direkt vor der eigenen Haustür passieren, hier könnte man sich jedoch wieder viel leichter verkriechen. Dies ist jedoch schlecht. Sehr häufig ist es nämlich so, dass man überall, bei jedem Wetter, in jeder Situation großartiges vollbringen kann und somit auch faszinierende Fotos erstellen kann.
Waren Landschaftsfotos geplant und das Wetter spielt Lichttechnisch nicht so mit, warum sollte man sich dann nicht einfach auf Makros, Langzeitbelichtungen oder andere Themen konzentrieren. Alles was wir in einem enttäuschten Moment nicht sehen führt dazu, dass wir anderes komplett übersehen.
Damit will ich nicht sagen, dass Planung etwas negatives ist. Planung ist für gute Fotos essentiell. Wenn man sich etwas bestimmtes vorgenommen hat, dann begann die Planung nämlich bereits damit, dass man sich das Motiv im Kopf zusammengebaut hat.
Will man eine Burg fotografieren mit möglichst viel Landschaft auf dem Bild, dann benötigt man ein Weitwinkelobjektiv, alleine schon die Bildkomposition ist die erste Planung. Wenn ich jetzt also mit einem Teleobjektiv vor Ort bin, dann habe ich etwas falsch gemacht. Oder wenn ich meine Speicherkarte vergessen oder leere Akkus dabei habe. Eine Vorbereitung besteht also nicht unbedingt aus einem sehr umfangreichen Prozess, sondern viel mehr daraus, dass man sich auf etwas vorbereitet.
Trotz aller Vorbereitungen muss es jedoch vor Ort nicht so sein, wie man es sich Gedacht hat. Denn die Gedanken sind in unserem Kopf und am Ende ist es immer anders, als man er sich gedacht hat. Die Wahrscheinlichkeit, dass man vor Ort in irgendeiner Art und Weise enttäuscht wird, ist also extrem groß. Aus diesem Grund sollte man sich von seinen Gedanken nicht all zu sehr leiten lassen. Das bedeutet nicht, dass man sich keine Gedanken machen sollte, wie bereits erwähnt ist eine gewisse Vorbereitung wichtig.
Ein super Beispiel wäre eine Feier oder Hochzeit, wo viele Menschen, Situationen oder Motive vor Ort sind, die man in der Regel nicht alle kennen kann.
Was wären die Vorbereitungen, Gedanken und Enttäuschungen, die auf uns zu kommen könnten?
Wichtig für so einen Event ist natürlich, dass die Ausrüstung komplett ist. Es gibt nichts ungeschickteres, als wenn man feststellt man hat etwas vergessen und muss im schlimmsten Fall noch einmal hin- und herfahren. Oft reicht die Zeit nicht aus und man muss improvisieren. Dann sollte man sich die Location zuvor einmal anschauen und natürlich mit den Hauptdarstellern gesprochen haben.
Nachdem alles vorbereitet ist erfolgt die Planung, welche rein gedanklich abläuft. Die Situation vor Ort kennt man von seinen Besichtigungen und kann in etwa einschätzen worauf geachtet werden sollte. Hierbei ist es jedoch wichtig, dass man nur den einen Zustand von seinen Besichtigungen kennt, nicht jedoch, was am Tag X sein wird. Auch hier besteht meist sehr viel Improvisationspotential. Alles wurde nun fein säuberlich durchdacht und es wird schon so sein, wie man es haben will.
Alleine schon der Gedanke, dass es so sein wird, wie man es geplant und durchdacht hat, führt am Tag X zur ersten Enttäuschung. Vorort angekommen stellt man fest, dass Wetter ist anders, irgendwas wurde umgeplant, die Braut ist mit den Nerven am Ende, die Gäste wollen nicht fotografiert werden, der Zeitplan wird nicht eingehalten, an geplante Traum-Stellen kommt man nicht heran und so weiter uns so fort. An sich schon eine Menge, die auf einen wirkt und dazu führt, dass man schon fast aufgeben will.
Sicherlich ist der erste Schritt mit so etwas umgehen zu können, dass man gut vorbereitet ist. Technisch hat man alles dabei um auf verschiedene Situationen zu reagieren, dass ist sehr wichtig, damit man die Ruhe bewahren kann. Als Nächstes sollte, bevor es richtig los geht, noch einmal alles abgegangen werden, damit man das bereits durchdachte noch einmal auf die aktuelle Situation anpassen kann. Auch sehr hilfreich ist es neben den Hauptdarstellern einfach mit den Gäste ins Gespräch zu kommen. Nicht nur um seinen Bekanntheitsgrad zu erweitern, sondern viel mehr der inneren Ruhe wegen. Nur wenn man gelassen auf negative Einflüssen reagieren kann, sind diese schon gar nicht mehr negativ und können einen viel eher auf neue Ideen bringen. Diese Fähigkeit ist, was Euch als kreativen und einfallsreichen Fotografen auszeichnet und für Euch spricht.
Ihr seht schon, selbst bei Themen, die noch so sehr geplant werden können, kann bereits davon ausgegangen werden, dass irgendein Einfluss auf uns einwirkt und dazu führen könnte, dass man sein Zeug packt und geht.
Damit wir den Bogen für den Abschluss wieder bekommen, geht es zurück zur Freitzeitfotografie. Wenn Ihr jetzt also die Burg mit Landschaft fotografieren wollt. Das Wetter jedoch nur dafür ausreicht ein gewöhnliches Foto zu erstellen, dann sollte man einfach das machen was geht. Und jetzt kommt der Knackpunkt, der einen davon abbringt enttäuscht zu sein.

>> Der spontane Themenwechsel <<

 
Wieso nicht die Burg selbst ins Visier nehmen und das Gebäude von Innen fotografieren. Oder Details im Mauerwerk herausarbeiten. Wenn man nicht alleine unterwegs ist, die Kollegin oder den Kollegen schnappen und von sich ein paar Fotos machen. Die Burg einfach irgendwann später fotografieren und statt dessen ein anderes Objektiv nehmen und Makros erstellen, sich in den Details vertiefen, irgendwelche Insekten oder Pflanzen fotografieren. Vielleicht sitzt auch eine Eule im Gemäuer, also nutzt man das Teleobjektiv.
Letztlicht bringt die Enttäuschung über die Ausgangssituation nichts und macht einen nur blind für eventuell sogar schönere Motive. Es kann an sich keinen langweiligen Ort, das falsche Wetter oder die falschen Motive geben. Das ist alles etwas, womit wir uns gedanklich beschäftigen und nicht wie die Wirklichkeit ist.
Es ist sehr wichtig in der Fotografie, wie auch im wahren Leben, das Gedachte von der Ist-Situation zu trennen, sonst befindet man sich ständig im Konflikt mit irgendwas und kann nicht mehr klar denken. Dies bedeutet jedoch nicht, dass man einfach in den Tag leben soll. Wie bereits erwähnt ist es durchaus notwendig sich vorzubereiten. Das aber nur in einem solchen Umfang, dass man flexibel genug ist sich nicht selbst zu Enttäuschen.
 
Also Alles frei nach meinen Motto:
 

„Lebe jetzt, nicht später!“

 
 
 

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