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Kennst Du das oder ist es Dir auch schon einmal passiert?

Ich nenne es das Forrest Gump Prinzip und es wird sicher jedem aktiven Menschen einmal bei seiner sportlichen Aktivität passieren.

Bei mir war das am 04. Juli 2022, einem Montag um 10:30 Uhr. Ich hatte eine vergleichbare Tour zwar schon einmal gemacht, doch damals hatte ich das Ziel als Ziel und nicht den Forrest Gump im Sinn.

Montags habe ich meinen freien Tag in der Woche. An sich hatte ich an diesem Tag schon einige Pläne für mein Youtube Projekte www.Gartenschlau.com, sowie www.Orchideenhobby.de und doch ging mir schon ein paar Tage davor diese Tour wieder durch den Kopf. Immerhin hatte ich zu diesem Zeitpunkt mein neues Gravel-Bike von Focus erst ein paar Tage bei mir Stall. Auch sehe ich den Hohen Staufen von unserem Haus aus immer, wenn ich aus dem Fenster schaue.

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Der Hohenstaufen ist ein 684 m ü. NHN hoher, der Schwäbischen Alb vorgelagerter Zeugenberg bei Göppingen. (Wikipedia.de)




An diesem Tag bin ich erst um 10:30 Uhr losgefahren, was im Sommer bedeutet, dass die Temperaturen um diese Uhrzeit sehr warm sind. Somit dachte ich mir direkt, ach da mach ich mir keinen Stress, ich fahre einfach wie es kommt. Ich startete als das Tracking bei Strava und radelte los, ohne festes Ziel.

In Schorndorf angekommen und durch den Gegenwind bei der Bergabfahrt Richtung Schornbach wieder auf einem normalen kühlen Level, dachte ich mir ach, da fahr ich doch noch nach Plüderhausen. Der Weg dorthin ist eher flach und das geht locker noch. Ich radelte also weiter. In Plüderhausen angekommen wollte ich noch einen dranhängen und fuhr weiter bis Waldhausen. In Waldhausen angekommen dachte ich, ach da ist ja die Straße Richtung Hohen Staufen. Gut zugegeben es führen deutlich mehr Wege dorthin, doch die Straße bin ich bereits mit meinem Fully gefahren, jetzt habe ich ja das Gravel und da würde sich ein Vergleich sicher lohnen. Falls es zu hart wird kann ich es den Berg einfach hinunterrauschen lassen. Also radelte ich weiter um kam nach Rattenharz.

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Das Forrest Gump Prinzip 13




Wer die Schwäbische Alb kennt, es funktioniert natürlich auch im Schwarzwald oder jeder anderen bergigen Region. Einmal auf einem Berg angekommen, den man erst einmal erklimmen musste. Genießt man die Höhe schon, denn sobald man den Berg hinunterfährt, wird ein nächster Berg kommen.

Also nutze ich die Gelegenheit auf dem Bergrücken die Ebene weiter zu radeln. Schließlich war ich jetzt hier oben und die Ebene ist einfach zu fahren. So fuhr ich weiter nach Wäschenbeuren, über einen großzügigen Schlenker. Zwar hätte ich direkter fahren können, doch überwiegend ging es etwas bergab.

Bergab? Habe ich nicht gerade geschrieben, dass es dann zwangsläufig wieder den Berg hoch geht? Richtig, genau das war auch der Fall, aber ich war schon soweit gefahren, das eigentlich nicht geplante Ziel war nun zum Greifen nah. Der Rückweg wäre jetzt zu einfach um aufzugeben. Außerdem war der Tag noch jung und ich erst kurze Zeit unterwegs.

Also weiter Richtung Hohen Staufen. Jetzt kam die erste Erkenntnis, mit welcher ich bezogen auf das Gravelrad nicht gerechnet hätte. Was die Tage zuvor noch richtig geil war, die pure Kraftentfaltung eine ungefederten, leichten Rades bei jedem Tritt in die Pedale. Kam nun an sein Limit. Als ich vor einem Jahr mit dem MTB den Hohen Staufen erklommen hatten und das in einem Rutsch egal an welcher Steigung. Funktionierte mit dem Gravel-Bike nicht. Ich musste beim Hochfahren zum Hohenstaufen an zwei Stellen absteigen und schieben. Der kleinste Gang der GRX810 erfordert so viel Kraft, dass dies wirklich krass ist und man das Rad kaum den Berg hochbekommt. Mich hat das wirklich überrascht, war ich doch von der Kraftentfaltung zuvor sowas von überzeugt. Doch trotz dieser kleinen Rückschläge kam ich nun doch auf dem Gipfel des Hohen Staufen an.





Kaum das gelbe Trikot für diese Leistung erhalten, kam auch wieder der Forrest Gump vorbei. Da gabs doch noch einen zweiten Berg.





Richtig der Rechberg mit der gleichnamigen Burg Hochenrechberg.

Der Rechberg ist ein südlich von Schwäbisch Gmünd gelegener, 708,1 m ü. NHN hoher Zeugenberg am Nordrand der Schwäbischen Alb.

wikipedia.de

Also ging es runter vom Hohen Staufen Richtung Rechberg und wie bereits erwähnt, wenn es runter geht, muss es auch wieder rauf gehen. Auf den Hohenrechberg gibt es zwei Möglichkeiten. Die eine ist nur etwas für Wanderer, denn es gibt hier Wegabschnitte, die schmal, unwegsam und für das Rad eher ungeeignet sind. Besser ist die Zufahrtsstraße, die eine sehr gute Steigung bietet, die einfach hochgefahren werden kann.





So war nun auch dieser Berg geschafft. Ich muss zugeben, dass ich mir das bei der Tour ein Jahr zuvor auch vorgenommen hatte, jedoch nicht umgesetzt habe. Jetzt hatte ich es also auch geschafft.

Ich war mit meinen Kräften zwar noch nicht am Ende und dachte mir der Stuifen mit seinen 757 m ü. NHN wäre auch noch eine Option. Doch diesen Forrest Gump hatte ich dann verworfen. Denn immerhin hatte ich bereits über 40 Kilometer in den Beinen und musste mindestens noch die gleiche Anzahl zurückfahren. Also machte ich mich auf den Rückweg. Auch hier gab es wieder unterschiedliche Möglichkeiten. Da ich aber schon einmal hier war wählte ich Schwäbisch Gmünd als Ziel.

Die halbe Strecke ging locker-flockig den Berg hinab. Nur kurz vor und durch Schwäbisch Gmünd war es etwas nervig auf der Straße unterwegs zu sein. Die Autofahrer sind ab und an wirklich extrem rücksichtslos und das kann einem den Flow schon vermiesen.

Nach Schwäbisch Gmünd geht es relativ locker Richtung Schorndorf. Doch egal wie gut der Radweg auf den ersten Blick wirkt, merkt man mit dem ungefederten Gravel-Bike wie schlecht die Wege eigentlich sind.

Zugegeben im Vergleich zu den Wegen vor 100 Jahren ist die Qualität natürlich eine andere. Aber es somit auch kein Wunder, dass viele lieber die Straße nutzen. Wenn wir hier in Deutschland schon darüber diskutieren, dass die Lust am Radfahren zunehmen soll, dann müssen die Wege mindestens genauso gepflegt werden, wie die Straßen. Ok, ich höre bereits die Lacher, die Straßen selbst sind auch nicht wirklich gepflegt. Aber die Radwege sind teilweise unterirdisch und dabei spreche ich noch nicht einmal nur vom Belag, alleine schon manch Wegführung ist verwunderlich.

Genug meckert, ich sitze ja auf dem Rad und genieße das Leben. Als ich dann in Schorndorf angekommen bin und vor der Wahl des Rückwegs stand. Schaute ich so auf den Tacho. Genau wie ich dachte standen jetzt auf das Komma genau 80 Kilometer zurückgelegte Strecke auf dem Display. Kein Witz, es war so, in diesem Moment dachte ich mir, also wenn ich jetzt über Rudersberg fahre, dann habe ich nur rund 92 Kilometer insgesamt, dass wäre ja sehr knapp unter der 100er Marke. Sollte ich nicht einen anderen Rückweg wählen. Also schaute ich kurz wie es ausschauen würde, wenn ich z.B. über Winnenden zurückfahre. Die Strecke kannte ich und so viele Steigungen sind da nun auch nicht dabei. Ja ok, Winnenden geht noch.

Was soll ich sagen, auch diese Ecke habe ich noch gepackt und war nach 05:41 Stunden und 113,8 km wieder zurück. Der Titel der Tour heißt zwar „Krasser Scheiß“ doch so anstrengend fand ich es dann doch nicht.

Die nächste Tour in dieser Kategorie, dann jedoch als festes Ziel, habe ich bereits im Sinn. Welche das ist und ob der Forrest Gump dann wieder dabei ist, dass berichte ich, sobald ich diese gefahren bin.